von Elke und Achim

Versalzenes Grundwasser – Dorf-Sozialtarif beim Strom

Am Montag, den 6.10., holten wir Ingeborg Duttlinger – unsere freundliche lebensfrohe Übersetzerin – aus dem Dorf Vlachokerasia bei Tripoli ab und fuhren gemeinsam auf der Autobahn nach Korinth zur Sozialpraxis in der Adeimántou Straße 83. Es regnete und stürmte, schon seit Tagen, Griechenland überraschte uns mit Oldenburger Wetter. Ingeborg aber freute sich: Sie müsse nicht mehr täglich zwei Stunden ihre Beete gießen. Es sei ein sehr trockener Sommer gewesen, der erste Regen seit drei Monaten. Sie berichtete von verschrumpelten Oliven, die völlig anders als bei besserer Wasserzufuhr schmecken.

Einschub zum Thema Grundwasser:

Eva Lang auf dem neuen Grundstück von Lyos´Garten (bei Kalamata in den Bergen Richtung Mani, siehe unten) erfreute der Regen sicher auch. Sie berichtete, dass während des Sommers alle Brunnen ringsum versalzenes Wasser enthalten haben. Das Grundwasser sei abgesunken – auch durch den großen Verbrauch der Touristen - und durch eindringendes Meerwasser ersetzt worden. Sie fahre täglich mit großen Kanistern nach Stoupa und versorge das Haus an öffentlichen Wasserspendern.

Um Ingeborgs Dorf herum sind mehrere Windräder auf den umliegenden Bergen errichtet worden. Ingeborg berichtete, es bestehe ein Übereinkommen zwischen Gemeinde und Kraftwerksbetreiber, das dazu führe, dass alle Einwohner*innen bis zu einer bestimmten Menge Strom kostenfrei verbrauchen können und erst darüber hinaus Gebühren bezahlen müssen. Sie selber habe nur in einem Jahr Strom bezahlen müssen.

Korinth – weiterhin erfolgreiche Medikamentensammlung

In den Räumen der Sozialpraxis trafen wir Anthippi und Spilios. Beim Eingang lagen mehrere große Tüten voll mit mit Medikamentenspenden – die Medikamentensammlung zur kostenlosen ehrenamtlichen Versorgung von Bedürftigen scheint gut weiterzugehen. Die Beiden berichteten uns, dass sich der „Verein der Freunde der Freiwilligen des KIA Korinth“ im Herbst wiedertreffe.

Nachdem wir uns mit einer Runde Kaffee über Fahrt und Gesundheit ausgetauscht hatten, fuhren wir zu einem Restaurant am Korinther Strand. Der bisherige Dauerregen machte eine Pause bis zum Abend, die Sonne kam durch, und wir setzten uns draußen zusammen und konnten auf das blaue Meer schauen. Dort blieben wir bis nach halb sieben. Dann mussten Spilios und Anthippi dringend wieder zur Arbeit. Ihre Mittagspause von 13.30 Uhr bis 18.30 Uhr hatten sie schon überzogen.

Austausch

Die erste Stunde verbrachten wir mit ausführlicher Beratung über Essen und persönliche Dinge. Schließlich gerieten wir zur bedrückenden Weltlage, zu verlorener Fortschrittshoffnung und den Krisen allenthalben. Auch die Mutlosigkeit als Folge der faktischen Kapitulation Syrizas gegenüber den Zumutungen durch die EU – der Weg eines Politikwechsels aufgrund parlamentarischer Mehrheiten scheint unmöglich – kam zur Sprache. Der Tenor: Die griechische Linke ist hoffnungslos zerspalten. Der wachsende Vertrauensverlust der Regierung Mitsotakis und die massenhaften Demos und Streiks zu Tempi, gegen einen 13-Stunden-Tag und eine 6-Tage-Woche oder zu Palästina führen nicht zu linken Mehrheiten und einem Regierungswandel. Die Menschen haben das Vertrauen in linke Alternativ-Versprechungen verloren, die Rechten werden dagegen stärker. Lichtblicke sind nur die immer wieder aufblitzenden Streiks und die anderen widerständigen Aktionen.

Wir wurden zudem nach den Gründen für die Erfolge der AfD gefragt und bemühten uns um Antworten. Auch die Lage im Gesundheitswesen wurde ausführlich besprochen. Spilios wies auch darauf hin, dass bestimmte Operationen in Griechenland viel teurer als in anderen Ländern seien. Er führte das auf Absprachen mit Interessenverbänden zum Zwecke der Bereicherung zurück. Dazu „passte“, dass gerade Zeugen, die Absprachen zwischen griechischen Ministern und Novartis beeidet hatten, wegen Meineid angeklagt wurden und die damals zuständige Staatsanwältin ebenfalls belangt wurde. Spilios wies auch auf Schmiergeldzahlungen von Siemens hin – der dafür verantwortliche Manager habe die Möglichkeit bekommen, Griechenland zu verlassen und könne in Deutschland nicht belangt werden.

Elke und ich hatten in Kalamatas Innenstadt ein „Antifascist Center“ entdeckt. Wir hatten erfahren, dass das Antifaschistische Bündnis in Kalamata sehr rührig sei und es ihm gelungen sei, u.a. zwei Demos zu Palästina/Gaza zu organisieren, einmal mit 5.000 und einmal mit 15.000 Teilnehmer*innen – bei 70.000 Einwohner*innen in Kalamata! In diesem Bündnis seien die ehem. Sozialklinik-Aktiven führend tätig. Die Frage, ob es nicht auch in Korinth so etwas wie ein breites antifaschistisches Bündnis gebe, verneinten Anthippi und Spilios. Es gebe nur einige Einzelpersonen, die in verschiedenen Parteien und Gruppen tätig seien und sich hin und wieder träfen. Ansonsten gebe es keine weiteren aktiven Vereine oder Initiativen. Das liege an der anderen Struktur in Korinth: nur 20.000 Einwohner*innen in der City, 40.000 mit Umland; keine Uni oder Hochschule, die jungen Leute gehen weg.

Lager Korinth – die Unterstützung wird fortgesetzt

Als wir schließlich zum Thema „Flüchtlingslager Korinth“ kamen, legte Anthippi gleich los: Im Lager befinden sich zur Zeit 660 Personen, ungefähr 100 Familien und 300 Einzelpersonen; vor Kurzem wurden fünf Kinder geboren. Die Geburten fanden im Krankenhaus statt, da es sich ja um ein halboffenes Lager handelt. Die Kinder können noch zur Schule gehen. Nach wie vor ruft eine im Lager tätige junge Frau Anthippi an, wenn es gravierenden Mangel im Lager gibt, den die Geflüchteten aus finanziellen Gründen nicht decken können. Mit dieser jungen Frau, die täglich aus Athen zur Arbeit anreist, gibt es weiterhin intensiven Kontakt. Das Team der Sozialpraxis habe vor, die Geflüchteten weiterhin mit Medikamenten, Windeln, Verbands- und Hygienebedarf zu unterstützen.

Zweites geschlossenes Lager

Es gebe weiterhin das zweite geschlossene Lager. In das werden die Menschen eingewiesen, die keine Asylanerkennung erhalten. Sie sollen das Land verlassen und werden so lange inhaftiert. Die Frage, wohin dann Menschen gehen, die nicht zurück in ihr Heimatland können, konnte nicht beantwortet werden. Zu diesem Lager gibt es weiterhin keinen Kontakt.

Videokonferenz möglich?

Elke schlug schließlich vor, dass wir von der Vereinsversammlung aus einmal eine Videokonferenz mit Anthippi und Spilios machen könnten – so könnten die Korinther und die anderen im Verein sich einmal kennenlernen und so könnte man Aktuelles besprechen. Anthippi und Spilios stimmten ohne Bedenken zu. Auf die Frage, ob auch die Lagermitarbeiterin teilnehmen könnte, meinten die Beiden, dass das möglicherweise praktikabel sei, wenn sie sich im Lager befinden. Es müsse zeitlich passen – was natürlich auch für uns in Oldenburg gilt.

 

 

Bericht über Besuch und Gespräch in der neuen Einrichtung von Lysos’ Garten/ Kalamata am 07.10.25

(siehe https://lysos.gr/en/lysos-project-en/lysos-garden/  und https://perspektive-griechenland.eu/project/art-farm/ ) Am 07.10. besuchten Elke und Achim das neue Grundstück von Lysos´Garten. Sie berichten: „Für eine größere Summe haben Eva Lang und Waltraud Sperlich als ehrenamtliche ‚Managerinnen‘ des Vereins dieses große Landstück an einem Anhang in den Bergen ca. 15 km von Kalamata entfernt erwerben können. Ca. die Hälfte der Summe kommt von Hamburger Sponsoren, die andere Hälfte als Kredit von Banken. Man hat auf diesem mit Oliven und anderen Bäumen bepflanzten Feld einen wunderbaren Blick hinunter auf Meer und Küstenstadt Kalamata. Sofort fallen ein großes gut renoviertes Gebäude, mehrere kleine Hütten, z.T. auf Bäumen, sowie eine Theaterbühne und sogar ein Amphitheater ins Auge. Früher fanden hier Vorführungen statt, danach wurde das Gebäudeensemble für Touristenunterkünfte genutzt.

Waltraud Sperlich konnte aufgrund körperlicher Beschwerden nicht ihr Haus verlassen, sie arbeitet zur Zeit per Telefon. So kam Eva Lang, um uns durch Gebäude und Grundstück zu führen. Bei unserer Ankunft wurde dort eine Gruppe von Menschen mit Handicap von einer Physiotherapeutin und Sportlehrerin zu einem Ballspiel angeleitet, während eine zweite Betreuerin mit einer anderen Gruppe Tonarbeiten zur Herstellung von Gefäßen durchführte. Mehrere Angestellte des Vereins waren zudem mit Reparatur- und Renovierungsarbeiten beschäftigt.

Eva berichtete, dass der Plan sei, die Gebäude soweit herzurichten, dass sie von einer Kommission der Bezirksregierung als Tagesstätte und Werkstätten für Behinderte sowie als behindertengerechte Einrichtung anerkannt werde, um dann Kredit und Betrieb durch Kassenentgelt zu finanzieren. Bis dahin läuft der Betrieb immer noch auf Spendenbasis. Die Zahl der Betreuten soll dann von 30 auf 50 erhöht werden – mit dabei sind seit einiger Zeit auch einige Patienten und Patientinnen der Psychiatrie, die sich nach ihrer Einschätzung an diesem Ort gut entwickelt haben.

Bisher werden die Betreuten täglich von einem vereinseigenen Bus zur Einrichtung gebracht, in Zukunft werden dazu zwei Busse erforderlich sein. Waltraud ist dazu in Verhandlungen mit der Gemeinde der Mani, auf dem das Grundstück liegt. Im Gespräch ist, dass die Gemeinde Fahrer und Bus stellt.

Eva führte uns durch Gebäude und Gelände. Die ehem. Touristenunterkünfte werden zu Werkstätten umgebaut. Alle alten Fenster sind durch neue pflegeleichte und gut isolierte ersetzt worden. Ein Lastenaufzug wird mit hohen Kosten zu einem Lift umgebaut. Alles wird rollstuhlgerecht, auch die Toiletten. Überall sieht man Umbauspuren, erfreulich ist, dass angestellte Handwerker des Vereins einen großen Teil des Umbaus selber bewerkstelligen können. Eine große Kantinenküche ist bereits vorhanden. Eva berichtete, dass sie vor einem Jahr einen Tiefpunkt erreicht hatte – alles schien ihnen über den Kopf zu wachsen. Aber nun ist die Finanzierung erstmal geregelt und es geht aufwärts – sie strahlte Zuversicht aus. Und für Waltraud wird ein Raum als ihre zukünftige Wohnung hergerichtet – so wird sie wieder mobil und kann mit dem Auto bis zu ihrer Wohnung fahren.“

Förderung von Lysos Garten

Die Mitgliederversammlung am 21.10.25 kam überein, dass die ehrenamtliche Tätigkeit in Lysos Garten insofern gemäß der Satzung zu den unterstützungswürdigen Aktivitäten hinzuzählen sei, als dass dort medizinisch wichtige ehrenamtliche Arbeit geleistet und neben Menschen mit Beeinträchtigungen auch Patienten und Patientinnen der Psychiatrie Kalamata versorgt und gefördert werden. Ähnlich wie im Fall der Sozialapotheke Katerini, über deren Arbeit informiert wird, könne es sich aber auch nur um eine symbolische und ideelle Unterstützung handeln. Bedingung sei, dass wir in der Lage sind, die Tätigkeit des Teams in Korinth ausreichend zu fördern und zusätzlich noch über Reserven verfügen.

 

   
© Förderverein ehrenamtliche Gesundheitspflege in Griechenland e. V.

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